HARUKO / Michael Nitsch

nano Raum für Kunst, «Äpfel & Silber», 1.–17. September 20201

Eröffnung: Mittwoch, 1.9.2021, 18–21 Uhr
Finissage: Freitag, 17.9.2021, 18–21 Uhr
Öffnungszeiten: Mo–Fr 17–19 Uhr, Sa 14–17 Uhr

Die Künstler sind an der Vernissage und der Finissage anwesend und zusätzlich am:
HARUKO: 3.9. und 11.9.
Michael Nitsch: 4.9. und 10.9.

nano Raum für Kunst
Röschibachstrasse 57
8037 Zürich
www.nano-raumfuerkunst.ch
Leitung: Maria Bill, Antonia Hersche, Regula Weber

 

Mitten im Raum steht auf drei gusseisernen Beinen eine Schüssel. Darin laden in rotes Licht gesetzte Äpfel zum Hineinbeissen ein. Wäre da nicht Schneewittchen, das daran erinnert, dass die Früchte auch vergiftet sein könnten. Das silberglänzende Schneewittchen hat sich abgewendet, fast bekommt man das Gefühl, die Figur versuche dem grünen Teppich zu entfliehen. Sie – und mit ihr Michael Nitsch – will neue Wege gehen.
Verführung zugleich als Gefahr. Damit greift Michael Nitsch theatralisch und minimal inszeniert einen Mythos auf, der bereits im paradiesischen Sündenfall auf den Zwiespalt zwischen Verlockung und Selbstkontrolle verweist.
Der Apfel, als Sinnbild von Kraft und Leben, ist auch in der zweiten Szenerie omnipräsent. An den Wänden hängen sieben mit Pfeilen durchschossene Äpfel. Sofort ist klar, worauf angespielt wird, dazu bräuchte es nicht einmal den Gesslerhut, der auf einem durchschossenen Apfel zum Gruss auffordert.  
Auf spielerische Art und Weise erforscht Michael Nitsch in Märchen und Mythen psychologische Inhalte und kreiert mit seiner «readymade»-artigen Arbeit ein Labyrinth an Fragen.
Geheimnisvoll und meisterhaft ist die Inszenierung, und sie erscheint in der Nacht besonders schön, wenn der ganze Raum rot leuchtet und sich im Ladenschild der Bogen schliesst.


HARUKO geht in seiner Arbeit den zeichnerischen Weg. Silberne Gefässe haben sich in einem Triptychon neben- und hintereinander versammelt. Kostbare Teekannen und Zuckerdosen präsentieren sich opulent in Schwarzweiss auf blanken Tischflächen. Sie spiegeln sich im Gegenüber, verzerren die Wirklichkeit und schimmern atmosphärisch wie eine Fata Morgana. Köpfe, Augen und Nasen blitzen im Silber und auf der Tischfläche auf.
Der Künstler sucht im Gegenstand und seiner Spiegelung nach dem Verborgenen, Verzerrten und nicht Wahrnehmbaren und präsentiert uns so eine erweiterte Sicht auf die Wirklichkeit. Mit grosser Sicherheit und handwerklichem Geschick bewegt sich HARUKO auf grossen Formaten und entwickelt mit seinem Teestilleben einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Mit Michael Nitsch und HARUKO treffen zwei konzeptuell entgegengesetzte Positionen aufeinander. Trotz ihren Verschiedenheiten finden sie im Raum ausgezeichnet zueinander. Nicht nur in ihrer Tendenz zur Üppigkeit und dem Hang zum Theatralischen. Beide referieren auf Silber, einem Metall, dem wegen seiner Geschichte und Bedeutung ebenfalls fast mythische Bedeutung zukommt.

Mit «Äpfel & Silber» haben die beiden Künstler, nicht nur wegen Tell, einen Volltreffer gelandet.

Regula Weber (August 2021)